Das Gute in allem sehen?
Von Julia Söllner, 24.06.24
Vor vielen Jahren habe ich mal einen Zettel auf der Straße gefunden, auf dem stand:
„Ich wünsche, dass es Ihnen gut geht und Sie das Gute in allem entdecken.“
Und seitdem habe ich immer wieder über diese Worte nachgedacht.
Was schwierig sein kann an diesen Zeilen, ist, dass es nach meiner Auffassung nicht darum gehen darf, an allen schwierigen Erfahrungen und Problemen zwanghaft etwas Gutes zu sehen.
Manche Dinge, die uns widerfahren, und Phasen, durch die wir gehen, sind einfach schwierig und schmerzhaft. Und es muss nicht alles gutgeheißen, entschuldigt und anderen vergeben werden, um friedlich weiterleben zu können.
Was aber sehr gut ist an diesen Zeilen, ist, dass sie uns unsere eigene Verantwortung darüber aufzeigen, wie wir für uns selbst mit einer schwierigen Erfahrung umgehen.
Denn das Schlechte zu sehen und ein Opfer des Geschehenen zu bleiben, kann nie zu einem zufriedenen und selbstbestimmten Leben führen.
Egal, welche Erfahrungen wir machen - die Freiheit und die Verantwortung, was wir daraus machen, liegt immer bei uns selbst. Wir können dadurch etwas über uns selbst verstehen. Etwas über den anderen verstehen. Sich z.B. - auch wenn es wehtut - einer Ent-Täuschung bewusst werden und für diesen Augenöffner letztlich dankbar sein. Ent-täuscht können wir dann klar sehen und merken, was uns wirklich gut tut. Uns weiterentwickeln.
Die Dualität, die darin liegt, ist vielleicht der schwierigste Balance-Akt in dem Ganzen. Etwas kann schmerzhaft und unschön sein - UND wir können etwas für uns daraus mitnehmen. Vielleicht bereichert es uns sogar. Beides in uns selbst zu halten ist das Ergebnis eines reifen Selbst.
Gelingt uns das, müssen wir auch nicht „schlechtes“ von uns abschirmen und krampfhaft positiv sein. Dinge passieren - und wie wir sie bewerten und was wir daraus machen, liegt in unserer eigenen Verantwortung.
Und durch die Überwindung schwieriger Phasen können wir auch immer wieder merken, was für eine Kraft in uns steckt.
Wir haben das Ruder unseres Lebens immer selbst in der Hand.
Und ich wünsche dir, dass du es in gute Gewässer führst.
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