Alles bleibt anders - wie bleibe ich in Balance?

Von Julia Söllner, 13.08.2020

Ob in besonders turbulenten Zeiten oder im ganz normalen Strudel des Alltags:
Das Leben und wir sind immer im Wandel. Spätestens seit der Corona-Zeit haben wir wohl gemerkt, dass wir unser Leben zwar planen können – aber eben doch nicht alles in unserer Hand liegt. Alles verändert sich, in unserem Umfeld, aber auch wir selbst. Manchmal langsamer, manchmal schneller. Uns dabei immer im Blick zu behalten und darauf zu achten, dass – und vor allem wie – wir in unserer persönlichen Balance bleiben, ist daher manchmal gar nicht so einfach.

Geraten wir aus dem Gleichgewicht, zeigt sich dies bei Jedem anders: Wir sind
gereizt, unkonzentriert, angespannt, grübeln viel, schlafen schlecht, verlieren den Spaß am Leben, flüchten uns ins Tun und die Handywelt, oder ziehen uns zurück. Auch unser Körper meldet sich: Muskeln verhärten sich ("Ich bin so verspannt!"), wir sind ständig müde, unser Immunsystem macht schlapp.

Auf der Suche danach, was uns uns gut tut und was uns hilft, in Balance zu bleiben, gilt: Ein Pauschalrezept gibt es nicht, denn wir sind alle unterschiedlich. Wir haben alle individuelle Charaktere, Neigungen und Lebensgeschichten. Die Einen tendieren dazu, ihre Akkus dadurch aufzuladen, aktiv zu sein. Sie mögen es unterwegs und unter Leuten zu sein und viel auf dem Zettel zu haben. Andere wiederum brauchen Ruhe, Zeit für sich und Entspannung.

Es gilt daher aufmerksam mit uns selbst zu sein und sich weniger danach zu richten, was "man so macht" oder was einem andere raten. Und sich stattdessen selbst zu fragen: Tut mir das gerade wirklich gut?

Eine ehrliche Bewusstwerdung über das Zufriedenheitslevel unserer verschiedenen Lebensbereiche kann uns nicht nur helfen, kurzfristig wieder in unsere Balance zu kommen. Wir können darin auch Faktoren erkennen, die uns generell nicht gut tun oder fehlen und diese entsprechend angehen.

Die folgenden Lebensbereiche sind entnommen aus dem psychologischen Modell "Säulen der Identität" von H.G. Petzold:

Wie steht es um den Bereich Arbeit und Leistung ?
Bin ich zufrieden damit, wie, wo und wieviel ich arbeite? Habe ich das Gefühl, dass ich meine Talente ausleben kann, etwas beitrage, etwas Sinnvolles tue?

Wie zufrieden bin ich mit meiner Gesundheit, mit meinem Körper und Geist?
Was tue ich für mein körperliches und mentales Wohlbefinden? Lebe ich
entsprechend meiner Vorstellungen?

Wie gut geht es mir in meinem sozialen, gesellschaftlichen Netz? In meiner Partnerschaft, mit meiner Familie, Freundschaften, Nachbarn? Fühle ich mich geliebt, verstanden und wertgeschätzt? Geben mir meine Freundschaften was ich brauche? Habe ich genug Austausch?

Wie steht es um meine materielle Sicherheit? Was machen meine Finanzen? Wie
schätze ich meine Zukunftsperspektiven ein? Was brauche ich zum Leben?

Besonders spannend ist auch der Bereich der Werte: Was will ich (wirklich) im
Leben? Was ist mir wichtig? Welches Ideal verfolge ich? Passt das zu dem, wie
mein Leben aktuell aussieht?

Säulen, mit denen wir zufrieden und erfüllt sind, geben uns Kraft. Sie tragen zu unserer Energie und Ausgeglichenheit bei und sie können vor allem auch helfen, weniger stabile Bereiche (je nach Wichtigkeit zumindest eine Zeit lang) aufzufangen.

Wenn wir also diese verschiedenen Bereiche einmal offen und ehrlich
durchdenken, werden wir merken, welche sich gut und stimmig anfühlen und
welche eventuell zu unserem Ungleichgewicht beitragen, da sie nicht – oder nicht
mehr – zu uns passen.

In der Konsequenz können wir unsere ganz individuellen Energiequellen und vor allem auch Energieräuber identifizieren. Die Quellen sind Ressourcen in unserem Leben, die wir nutzen können, wenn es an anderer Stelle mal nicht gut läuft. Und wenn wir uns überlegen, wie wir entsprechend negative Punkte verändern und umgestalten können, sind das wichtige Schritte auf dem Weg zu unserer ganz eigenen Balance. 

Wichtig dafür ist, dass wir uns im Blick behalten. Und dass wir uns auch
erlauben und akzeptieren, dass wir uns und die Welt sich verändert. Und dass wir dementsprechend immer wieder neu gucken, was uns gut tut. Aber auch, was uns fehlt oder schon länger nicht mehr passt. Was wir brauchen, was uns gut tut. Und was uns wichtig ist.


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