Wie Selbstführung dir helfen kann, nicht mehr der Karotte hinterherzulaufen. 

von Julia Söllner, 20.04.23

Deadlines, das bevorstehende Gespräch mit der fordernden Chefin, noch nicht erledigte und neue Projekte, Haushalt, Partnerschaft, Kind & Kegel müssen (gut) laufen, Instagram und WhatsApp beantwortet werden, Freizeit und Hobbys gestaltet. Bei deinen Eltern warst du aber auch schon länger nicht mehr und außerdem geht’s den Freunden nicht so gut - dir aber eigentlich auch nicht. 

Hm. Klingt stressig. 

In Anbetracht der Tatsache, dass der Tag nur 24 Stunden hat, kann da schon mal Druck aufkommen. Und das Gefühl, dass wir permanent nur damit beschäftigt sind, alles Mögliche zu tun, damit es irgendwann entspannter wird. Aber hetzen wir damit unseren to do’s und dem vermeintlichen Glück eigentlich nicht ständig hinterher, so wie der Esel, der die Karotte vor der Nase hat, die ihm auf den Rücken geschnallt ist?


Und die entscheidende Frage ist ja: Wie geht es uns denn eigentlich damit – wie zufrieden bist du dann mit dem Leben, dass du führst? Führen - da war das Wort schon wieder. Was hat es also mit der Selbstführung auf sich? 


Die Wahrheit ist: Das Thema ist nicht neu für uns. Denn wir alle führen unser Leben ja schon. Wenn dir die oben genannten Punkte bekannt vorkommen, lohnt es sich allerdings einmal zu schauen, wie du dies tust.  


Und soviel sei gesagt: Praktizieren wir bewusste Selbstführung, hat sie das Potenzial, den Esel-Karotten-Kreislauf zu beenden. 

Wie geht Selbstführung?


Das Zauberwort, wenn es um das Thema Selbstführung geht, heißt bewusst führen


Denn lassen wir uns und das Leben so laufen, dann sind wir eher im Autopiloten-Modus. Dieser Modus ist grundsätzlich wichtig. Wir alle haben und brauchen ihn. Er hilft uns, all die Aufgaben und Gedanken zu jonglieren, die wir täglich tun und denken. 


Müssten wir jeden Tag neu darüber nachdenken, wie man Fahrrad fährt, Zähne putzt oder eine SMS schreibt, wäre unser Leben ziemlich anstrengend - und vor allem in der heutigen Komplexität nicht möglich. Der Autopilot ist also eine gute, wichtige Sache. 


Allerdings nicht immer. Denn der Autopilot läuft immer, wenn wir nicht bewusst eingreifen. Also auch bei unserem Verhalten, unseren Gedanken und Gefühlen.


Und dann gibt es da noch die Umwelt, das, was von außen auf uns zukommt. Trägt die nicht auch wesentlich zu unserem Stress bei? Beim Blick in die Welt von heute fällt auf: Ja, ganz schön viel los da draußen. 


Das mag uns manchmal gar nicht so auffallen, denn der Mensch gewöhnt sich ja an alles. Wenn wir aber vergleichen, wie viel überschaubarer das Leben noch vor einigen Jahrzehnten war, wird der Unterschied zu unserer heutigen Komplexität sehr deutlich: 
Smartphones, künstliche Intelligenz, überall Krisen und Probleme, die durch das Internet zu jeder Tageszeit sichtbar sind, gesellschaftliche Umbrüche, die neue Arbeitswelt, alles ist im Wandel. Im Prinzip: Immer höher, schneller, weiter. Alles passiert gleichzeitig und jeder ist immer erreichbar. 


Daher ist eine bewusste Auseinandersetzung mit uns selbst und unserer Umwelt und ein entsprechendes Handeln umso wichtiger. 


Was heißt Selbstführung konkret? 


Selbstreflexion
Ich lade dich dazu ein - wenn du magst gleich jetzt - darüber nachzudenken, wie dein Tag / deine Woche / dein Job / das Thema deiner Wahl gerade läuft. Womit bist du zufrieden? Was darf anders werden? Was strengt dich an - und warum? Was hat das möglicherweise mit dir zu tun? Fragen, die du dir dazu noch stellen kannst, sind: Kennst du dich selbst? Deine Stärken und Schwächen? Weißt du, wie du tickst? 


Selbstverantwortung 
Sie ist der Schlüssel, um die Dinge verändern zu können, die du im vorherigen Schritt aufgeschrieben hast. 


Denn: Wenn wir selbst nicht die Verantwortung für uns und unser Denken, Fühlen & Handeln übernehmen, sind wir und unser Wohlbefinden von anderen oder den Umständen anhängig. Heißt: Die anderen sind heute gut drauf - dann geht es uns auch gut. Der Chef hat einen schlechten Tag oder die Dinge laufen nicht so, wie geplant - dann geht’s uns leider auch schlecht. 

Wir sitzen dann in der Opferhaltung und unsere Stimmung gleicht eigentlich einem Glücksspiel. Nicht die beste Strategie für ein gutes Leben, oder?


Auch wenn diese Pille nicht alle schlucken wollen: Niemand ist dafür verantwortlich, deine Bedürfnisse zu erfüllen oder sich zu ändern, damit es dir besser geht. Unsere Partner:innen, Kolleg:innen, Chef:innen, Nachbarin:innen, Freund:innen, Eltern - alle sind nicht dafür verantwortlich, dass es dir geht, wie es dir geht.

Und natürlich gibt es Themen und Lebensereignisse, die nicht spurlos an uns vorbeigehen. Aber wie wir auf Probleme, stressige Zeiten, Kritik oder Unvorhergesehenes reagieren, liegt letztlich doch immer bei uns selbst.

Selbstregulation
Dir sind in deiner Selbstreflexion Dinge aufgefallen, mit denen du nicht zufrieden bist? Und du bist bereit, die Verantwortung dafür zu übernehmen? Super. Dann geht es nun darum, passende Schritte zur Regulation / Veränderung zu wählen. Dies kann für Jede/n etwas anderes bedeuten. Ein Beispiel: 


Dein Tag braucht 28 Stunden und du (denkst, du) schaffst immer zu wenig? 
Klingt ziemlich nach Karotten-Esel-Kreislauf. Was kannst du tun? Liste z.B. alle Dinge auf, die du an einem Tag / in einer Woche erledigen willst. Überlege dir dann mit etwas innerlichem Abstand: Was davon ist wirklich wichtig? Was davon tust du, weil du es willst? Was davon, weil du denkst, dass du musst? Was versprichst du dir davon, wenn du alles erledigt hast? Was würde passieren, wenn du es nicht tust?


Und nun priorisiere: Welche Dinge sollen bleiben, welche kannst du reduzieren, streichen oder abgeben? Zu was und zu wem kannst du nein sagen? Bei welchen Themen kannst du dir Unterstützung holen?


Zum Abschluss noch ein wichtiger Punkt zum Thema Selbstführung: Bleib (an dir) dran.

Wir ändern uns nicht, weil wir einmal etwas aufschreiben oder ein to do von unserer Liste streichen. Wir müssen die Dinge regelmäßig tun und unsere Vorhaben auch umsetzen - das ist wie Muskeltraining im Fitnessstudio. Blocke dir regelmäßig Zeit im Kalender für deine Selbstreflexion, z.B. immer freitags von 16-17 Uhr.


Wenn du dir regelmäßig den Raum nimmst, um über dich und dein Leben / Beruf / Thema zu reflektieren, kannst du bewusst wählen, wie du mit dir, Menschen und Herausforderungen umgehen möchtest. Dich selbst besser kennenlernen. Und dein Leben dann so führen, wie es zu dir und deinen Werten passt.


Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn doch gern mit anderen. 

Lust auf mehr neue Perspektiven? 

Dann setze unten das Häkchen und erhalte Inspirationen und Blog-Updates von mir.