Du kämpfst dich oft alleine durch? Vermeidest Gefühle lieber?

Von Julia Söllner, 12.07.24

Dann mag es sein, dass dein „sei stark“-Antreiber recht ausgeprägt ist. 


Im letzten Beitrag ging es bereits um die Grundlagen des Konzepts der inneren Antreiber und den ersten der insgesamt 5 - den „beeil’ dich“ Antreiber. Wenn es dir schwerfällt, abzuschalten und du zu Ungeduld und Unruhe neigst, lies dort gern nochmal vorbei. 


Wie kann ein „sei’ stark“-Antreiber entstehen?  


Innere Antreiber formen sich durch individuelle Prägungen und Beziehungserfahrungen aus unseren frühen Lebensjahren. 


Wenn du z.B. von deinen Bezugspersonen dafür belohnt wurdest, schwierige Gefühle zu unterdrücken ("Gar nicht geweint hast du, bist ja schon ein großer Junge!"). Antreiber können auch das Ergebnis eines Rollengefüges innerhalb der Familie sein - wenn z.B. der kleine Bruder viel Aufmerksamkeit brauchte und die ältere Schwester deshalb funktionieren und stark sein muss. Oder wenn wir als Kinder unbewusst gespürt haben, dass unsere Eltern viel mit sich selbst beschäftigt sind und wir deshalb schon früh erwachsen (stark) werden müssen. 


Woran kannst du / können andere den „sei stark“-Antreiber erkennen? 

In erster Linie daran, dass du Schwierigkeiten hast, Schwäche und Verletzlichkeit zu zeigen - vor dir selbst oder vor allem vor anderen. Oder du denkst, dass du diese Gefühle gar nicht hast? 


Wer mit einem ausgeprägten „sei’ stark“-Antreiber lebt, hat gelernt durchzuhalten, sich nur auf sich selbst zu verlassen, niemanden zu brauchen und Gefühlszustände zu vermeiden, die einen schwächen könnten (Trauer, Verletzlichkeit). Selbstbeherrschung und Funktionieren sind oberste Priorität. Im Miteinander wirken diese Menschen meist kontrolliert. Sie lassen andere nur bis auf einen gewissen (emotionalen) Sicherheitsabstand an sich ran.


Wenn dir Gedanken wie: „Ach, das ist nicht so schlimm!“, „Reiß’ dich zusammen“, oder "das schaffe ich schon irgendwie“ bekannt vorkommen, könnte dies für den sei' stark-Antreiber sprechen. 


Das Gute an diesem Antreiber ist, dass du wahrscheinlich sehr belastbar bist und dich durchbeißen kannst, unabhängig bist und deinen eigenen Weg gehst. 


Doch auch hier - ist dein Antreiber stark ausgeprägt, läufst du Gefahr über deine Grenzen hinauszugehen und immer weiterzumachen, obwohl du vielleicht längst überfordert bist mit einer Situation. Und das psychisch und physisch. Dinge abzugeben und dich damit vor anderen zeigen mag dir allerdings auch schwerfallen - ein belastender Teufelskreis entsteht, der sich sehr anstrengend und einsam anfühlen kann. 


Immer wieder zu erkennen, wann du dich im Alleinkämpfer-Modus befindest, ist beim Umgang mit dem Antreiber besonders wichtig. 

Durchbreche dein Muster, indem du dir bewusst machst: 


  • Ich muss nicht alles alleine schaffen. Gemeinsam ist es leichter. Ich kann Sachen auch einfach abgeben.
  • Etwas aufzuhören ist völlig in Ordnung - es bedeutet nicht, dass du gescheitert bist. 
  • In Beziehungen und Freundschaften: Du darfst auch mal auf den Arm. Und dich mit Ängsten und Unsicherheiten zeigen. 


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