"Fehler springen dich an? Nichts ist gut genug?"  

Von Julia Söllner, 27.10.24

Dann kann es sein, dass dein „sei’ perfekt“-Antreiber sehr ausgeprägt ist. 

 

Innere Antreiber sind verinnerlichte Denk-, Gefühls- und Verhaltensgewohnheiten. Nach der Transaktionsanalyse (E. Berne) gibt es 5 verschiedene Antreiber, die wir alle in unterschiedlicher Ausprägung in uns tragen: 
 
 Beeil' dich,
 Sei' perfekt,
 Sei' stark,
 Streng' dich an,
 Mach's allen recht. 

 

Du findest hier auf dem Blog unter „Bist du oft ungeduldig?“ und „Du kämpfst dich oft alleine durch?“ auch Artikel zum" Beeil’ dich-“ und zum „Sei’ stark"-Antreiber. Lies’ dort auch gerne vorbei, wenn dich das Thema interessiert. 

 

Das Verhalten und Denken, immer perfekt sein zu müssen und letztlich „Außerordentliches“ zu leisten, kann seinen Ursprung in Vielem haben. 

Ein offensichtlich regelstarkes Elternhaus, in dem gespurt werden musste und indem die totale, perfekte Anpassung an Erwartungen als Schutzmechanismus diente. Oder eine Familie, in der alle seit Generationen in medizinischen Berufen arbeiten und es selbstverständlich ist, dass dies so weiterläuft. 

 

Weniger offensichtlich, aber ebenso stark kann sich ein „Sei perfekt"-Antreiber auch formen, weil wir die unbewussten Wünsche und das ungelebte Leben unserer Familie spüren. Vielleicht weil es die Eltern früher nicht gut hatten und nun alles dafür tun, dass es den Kindern einmal besser geht. Das kann einen starken Druck ausüben, diesen „ordentlichen, guten“ Weg auch gehen zu müssen ohne sich einen Fehltritt oder gar die eigene Wahlfreiheit leisten zu dürfen.

Gerade auch Einzelkinder oder Geschwister mit „problematischen“ Brüdern oder Schwestern spüren oft die geballten Projektionen und Erwartungen ihrer Eltern und Großeltern. 

 

So sind Antreiber immer ein Verhaltens- und Seinsversuch aus unserer Kindheit, um Anerkennung und Liebe unserer Bezugspersonen zu bekommen - oder um Disharmonie zu vermeiden. 

Im Erwachsenenleben bereiten uns diese Muster allerdings oft Schwierigkeiten und führen zu starkem Stress. 

 

Wie erkennst du einen „sei perfekt“-Antreiber in dir? 

 

  • Dein Arbeitsaufwand ist gemessen an der Aufgabe unverhältnismäßig hoch. Du investierst sehr viel Zeit in wichtige, aber auch eher unwichtige Dinge
  • Lob und Anerkennung annehmen fällt dir schwer, denn:
  • Nichts ist gut genug. Du findest immer das Haar in der Suppe und hast oft eine kritische Brille auf dazu, was verbessert werden könnte - bei dir und anderen. 
  • Du schämst dich oft sehr, wenn du Fehler gemacht hast
  • Du kritisierst dich selbst scharf und bist unerbittlich mit dir. 

 

Wichtig zu sehen ist: Antreiber sind nicht per se schlecht, denn sie bringen auch immer positive Eigenschaften mit sich. Zum Beispiel sind solche Personen sehr gründlich, analytisch und genau. Sie schaffen es meist beruflich weit aufgrund ihrer guten Arbeit, sie haben Dinge unter Kontrolle und denken um die Ecke, finden Fehler und denken in Verbesserungen. 

 

Machen wir uns unseren „Sei perfekt“-Antreiber allerdings nicht bewusst, sitzt er am Steuer von allem was wir tun und wie wir uns selbst und andere bewerten. Und das führt zu einer das-Glas-ist-halb(eher ganz)-leer-und-nichts-ist-gut-genug-Mentalität. Stress, depressive Verstimmungen und Burnout sind da oft eine logische Folge. 

 

Wie kannst du mit einem "Sei perfekt"-Antreiber umgehen? 

 

Beobachte ganz bewusst deine Gedanken und dein Verhalten und stelle dir die Frage, wieviel Energie du hier wirklich investieren willst? Ob nicht das, was du bereits erarbeitet hast, vielleicht auch schon reicht? Ob es sein könnte, dass das schon gut so ist, wie es ist? Dass du so reichst und gut so bist, wie du bist? 

 

Mache dir bewusst: 

 

Ich darf auch mal etwas nicht wissen oder können

85% reichen. (Ich lass’ das jetzt so!) 

 

Und: 

 

Alles an mir ist liebenswert. Ich bin gut so, wie ich bin. 



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